Der Herbst und die Erntezeit lehren uns jedes Jahr in besonderer Weise die Kunst des „Lassens“. Oft wird von der Wichtigkeit des Loslassens gesprochen. Dabei wird vergessen, dass Loslassen nur eine Seite der Medaille ist, die dazu meist noch negativ besetzt ist. Die Kunst des Lassens ist mehr als Loslassen und birgt eine Weite, die letztlich zu tiefer Freude und Erfüllung führt. Als Christin habe ich zu diesem Thema aus der Heiligen Schrift viel gelernt.
Vier Aspekte seien hier angeführt:
Zulassen, dass Gott mein Leben lenkt. Sehnsüchte zulassen, Veränderung und Neues zulassen, Lob und Anerkennung zulassen. Zulassen, dass mein Leben in vieler Weise wunderbar ist und dass vieles gelungen ist. Zulassen, dass nicht nur meine Meinung gilt. Zulassen, dass ich nicht alles selber machen kann. Zulassen, dass meine Kräfte schwinden und es Zeit ist, anderen eine Aufgabe zu übertragen.
Mit jedem Schritt hinterlassen wir Spuren. Wunderbare, gute, nachahmenswerte, bisweilen armselige oder gar schreckliche. Welche Spuren möchte ich hinterlassen? Schuldenerlass und Neubeginn. Wer wünscht sich das nicht? Der Mensch kann nur gut in die Zukunft gehen, wenn er nicht allzu sehr belastet ist.
Überlassen und Vertrauen gehören untrennbar zusammen. Ein Kind, das dem Vater vertraut, kann unbekümmert in seine Hände springen. Wer hingegen sein Haus vererben will und kein Vertrauen zum Erben hat, wird es ihm nur schwer überlassen können. Wem überlasse ich was?
Im Gehen sind wir bei jedem Schritt gefordert, vertrauensvoll einen Fuß loszulassen. Nur so können wir in Bewegung bleiben und uns die neue Welt erschließen. Was wir im Alltag so unbewusst machen, fällt uns in manchen Situationen oft sehr schwer. Voll Vertrauen dürfen wir aber auch die großen Schritte unseres Lebens wagen, weil wir im Glauben die Gewissheit haben, dass der, der uns das Leben geschenkt hat, uns auch ans Ziel führen wird. Die Kunst des Lassens wird uns dabei helfen.